Version: 25.03.2002

Das Rotorest-Bett von KCI



Das Rotorest-Bett ist ein spezielles Krankenbett, daß so aufgebaut ist, daß die Liegefläche um 62 nach rechts und links rotiert werden kann. Der Rotationswinkel ist von 0-62 für jede Seite unabhängig einstellbar. Dieses Bett kommt vor allem zum Einsatz bei schwersten Lungenerkrankungen (z.B. ARDS) oder zu deren Prophylaxe. Durch die ständige Lageänderung kommt es zum einen zur Sekretmobilisation, zum anderen wird jeweils die oben liegende Lungenhälfte besser belüftet, da das Patientengewicht und die Schwerkraft auf die unten liegende Seite drückt. Das heißt, daß man eine permanent wechselnde Belüftung der Lungenhälften erreicht.

Aus der Überlegung folgt weiter, daß man sich nicht mehr beschränken muß, bei einem schwerst lungenerkrankten Patienten die bessere Lungenhälfte zu beatmen, um eine ausreichende Oxygenierung zu gewährleisten, sondern man kann für gewisse Intervalle auch bevorzugt die schlechtere Lungenhälfte belüften - ganz ohne eine vollständige Dekompensation des Patienten. Eine angedeutete, phasen- und lageabhängige Dekompensation kann man beim kritischen Patienten im Rotorest dennoch durch das Monitoring beobachten und nachvollziehen. Wir sehen an dieser Stelle eine Kurve der peripheren Sauerstoffsättigungsmessung eines Patienten im Rotorest mit einer Rotation von 60-60.



Die Sauerstoffsättigung ist in Prozent links mit 100 und 97 angegeben. Der Kurvenverlauf ist relativ regelmäßig, was auf eine Veränderung der Sauerstoffsättigung aufgrund der Lageänderung schließen läßt. Eine Abhängigkeit zwischen Sauerstoffsättigung- und Lageänderung ist außerdem nachgewiesen.

Man bemerkt bei diesem Ausschnitt eindrucksvoll, daß die Sauerstoffsättigung bei einer Rotationsphase höher ist und in einer anderen Phase wegbricht. Insgesamt bemerkt man im Verlauf eine recht rasche - wenn auch unwesentliche - Verschlechterung, die entweder auf einer spontanen Verschlechterung des Patienten oder auf eine Reduktion der Sauerstoffzufuhr zurückzuführen ist. Wahrscheinlich ist die Reduktion der Sauerstoffkonzentration, da sich die Sättigung erst in Bereichen von vielleicht 96-100% bewegt, was schon physiologisch ist, wenn man ausklammert, daß es sich um einen beatmeten Patienten handelt.

Eine ähnliche Abhängigkeit beobachtet man auch beim arteriell (»blutig«) gemessenen Druck. Die obere Kurve signalisiert den systolischen, die untere Kurve den diastolischen Druckwert. Die mittlere Kurve stellt den Mitteldruck dar.



Das Bett an sich ist aufgebaut aus verschiedenen Brettern, die als Unterlage dienen und fast alle als Klappen angelegt sind. So kann man den Patienten in eine maximale Seitenlage bringen und kommt gut an die untere Körperhälfte. Als Matratze dienen Schaumstoffpolster, die relativ hart sind und in etwa die Größe der Klappen haben. Desweiteren gibt es verstellbare Stützen, Kopffixierungen und Gurte zur sicheren Fixierung des Patienten während der Rotation.

Wie schon angesprochen, sind die Matratzenpolster recht hart. Das tut der Haut dess Patienten insofern nichts, als daß der Schwerpunkt des Auflagedrucks sich durch die Rotation in jedem Moment ändert. Problemstellen entstehen höchstens nach meiner Beobachtung in der Kopfpartie. Der Kopf selbst darf nicht zu fest aber auch nicht zu locker fixiert werden, da er einerseits sonst zuviel Spiel hat, andererseits aber kein zu großer Druck den Kopf belasten darf. Schwere Dekubiti selbst habe ich äußerst selten erlebt.

Wenn man dieses Bett einmal in einem Selbstversuch testet, so merkt man, daß etwa die ersten 30 als unangenehm und unsicher empfunden werden. Die restliche Rotation von ebenfalls nochmal 30 wird nicht als so schlimm angesehen. Dennoch ist es natürlich selbstverständlich, daß der Patient im Rotorestbett sehr gut sediert sein muß, um zusätzlich zu seiner schweren Erkrankung nicht auch noch die Belastung der permanenten Rotation zu haben.

Häufig stellt sich die Frage, Rotorest-Bett oder Bauchlage. Diese Frage abschließend zu beantworten, liegt nicht in meiner Kompetenz. Für mich erscheint es aber durchaus sinnvoll, abwechselnd die bessere und die schlechtere Lungenhälfte zu beatmen und zusätzlich zur Rotation das Sekret zu mobilisieren. Welche Form der Lagerung sich endlich durchsetzt, ist jetzt noch nicht abzusehen. Der Phantasie sind eigentlich auch keine Grenzen gesetzt. So habe ich erfahren, daß ein Bett entwickelt wurde/wird, was zusätzlich zur Rotation auch die Bauchlage ermöglicht (180), dazu recherchiere ich gerade hinsichtlich Bauchlage im Rotorest und werde mich dazu in nicht allzu ferner Zukunft melden. Ein Wunschtraum bleibt für mich jedoch nach all der Theorie: Ein Beatmungsgerät, an dem man die Einstellungen so vornehmen kann, daß sich das Programm den Lageänderungen des Bettes dynamisch anpaßt, z.B. mit einem höheren Beatmungsdruck in der schlechteren Lage, einem niedrigeren in der besseren Lage. Schön wär's schon...

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